fussballfantum und der rattenschwanz
vor ewigkeiten, ein junge aus meiner klasse, vollkommener fussballfan, dicklich, aufgedunsen, blass, schulisch eher schwach, totales spiessbuergertum zuhause, die deutschlandfahne wehte im wind wenn samstags der mercedes gewaschen wurde, mit shampoo und gartenschlauch in der einfahrt, wellensittiche im wintergarten, maggi im essen, wohin man guckte fotos von schwitzenden maennern in polyamid, daneben roy black und howard carpendale, die helden der mutter mit turmfrisur, aus dem radio, ganiert mit fussballwimpel, marianneundmichael nebst schlagersahne, auf dem klo praline, weekend und andere sexheftchen, im wohnzimmer, links und rechts gesaeumt von nippesvaeschen und hummelfiguren auf dunklen eichenmoebeln, der fernseher als zentraler punkt im familienleben unter der dunkel gebeizten, holzgetaefelten decke.
eigentlich lief er jedes mal, wenn ich den jungen besuchte, meistens fussball, eigentlich immer, wenn kein spiel kam, sah man sich eine aufzeichnung an, bayernullvier ueberall, er besass jedes trikot, jeden fanschal und eigentlich auch sonst alles, was es so an merchandise gab, sein zimmer zugepflastert mit postern von irgendwelchen spielern, deren namen die zeit schon laengst wieder verwischt hat, phantasie hatte er wenig, fussball war sein leben, dfb im allgemeinen und bayernullvier im speziellen, na, eigentlich eher in der theorie, aber er hatte eine stadiondauerkarte und kannte die historie des deutschen fussballs in- und auswendig, vowaerts, rueckwaerts, knallharte analyse jedes spiels, stellenweise monologischer disput mit den inkompetenten leuten bei ran und dem aktuellen sportstudio, auf seine argumente, die er dem bildschirm wuetend entgegenspuckte, kam leider nie eine reaktion, haetten die ihn doch nur mal gefragt, aber dazu waren sie ja zu fein, die herren, und der fc bayern, die waren alle gedopt, viel zu viel geld, und dann kauften die sich irgendwelche scheissbrasilianer und neger, die dann unerklaerlicherweise staendig tore schossen gegen bayernullvier, ja, scheissneger, nicht mal deutsch konnten die, deutschsein erst recht nicht, dabei war das die schoenste sprache der welt, auch wenn er in der schule in betreffendem fach fuenf um fuenf abraeumte, sein groesster schatz tief unten in der schublade, unter stickeralben mit nationalspielern, eine alte nazibriefmarke, fehldruck, bestimmt hunderttausend wert, und zu allem hohn hatte die familie auch noch einen klischeedeutschen namen.
haetten sie doch wenigstens ogalalla geheissen oder so.